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PlanBude-Intro: Knack‘ den St. Pauli Code!

Die PlanBude wurde 2014 gegründet um die Wunschproduktion für die Neuen Esso-Häuser in Hamburg-St. Pauli zu organisieren. Die PlanBude entwickelt neue, durch Kunst geprägte Ansätze, wie Stadt anders geplant und gebaut werden kann: Planung mit dem Wissen der Vielen

Der Gründung der PlanBude ging eine jahrelange Auseinandersetzung um den Erhalt des Ensembles vorraus, die besonders die in der Initiative Esso-Häuser organisierten Mieter*innen und Nachbar*innen führten, und die 2014 in einer unabhängigen Stadtteilversammlung im Ballsaal des FC St. Pauli gipfelte.

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Eingebettet in die Diskussionen um das Recht auf Stadt entstand nach der Evakuierung der Häuser im Dezember 2013 die Notwendigkeit, eine unabhängige Plattform zu entwickeln, die die Neuplanung der Häuser in die Hände nimmt. Unter dem Titel „Wir nennen es PlanBude“ legten die Initiativen ein Konzept für die Planung vor. Aus diesem Kreis heraus gründete sich die Planbude als trans-disziplinäres Planungs-Büro aus den Feldern Kunst, Architektur, Urbanistik, soziale Stadtteilarbeit, Musik und Kulturwissenschaft. Das Team erhielt schließlich im Sommer 2014 den durch den Bezirk Hamburg-Mitte den Auftrag, das sogenannte „vorgezogene Beteiligungsverfahren“ durchzuführen.

Ihre Unabhängigkeit hat die PlanBude sich vertraglich abgesichert. Der Großteil des 6-köpfigen Teams lebt auf St. Pauli. Noch wichtiger als der Wohnort ist jedoch die Haltung des Teams: Neugierde auf das Wissen der anderen und ein Glauben an die transformative Kraft der Imagination der Vielen treibt das Projekt an.

Befeuert von den im Stadtteil bereits vorhandenen Erfahrungen mit selbstorganisierten Planungsverfahren, hat das Team eine breite Palette an Zugängen zum Planungsprozess entwickelt. Denn diejenigen, die tagtäglich durch die Straßen ihres Viertels laufen, wissen am besten, woran es mangelt, was verloren zu gehen droht – und was in Zukunft gebraucht wird. Dabei setzt die PlanBude auf das Wissen der Strasse und den Erfindungsreichtum des Alltags.

Tools

Das Herzstück der Arbeit der PlanBude sind die Planungstools.

Die PlanBude steht mit ihren zwei Glasfronten und einer Dachterrasse bis heute im Alltagsleben der Anrainer*innen, direkt am Grundstück, an der Reeperbahn. Schnell entwickelte das Team eine leicht wieder erkennbare, robuste CI aus historischen Rapidographschriften, Tape, Blau und Leuchtorange.

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Zu den PlanBude-tools gehört ein farbcodiertes Lego-Modell im Maßstab 1:150, die Nachtkarte („Zeichne mit Lackstiften die Fassade zur Reeperbahn im Jahr 2020“), ein von Kindern und ein von Jugendlichen Planbuddies entwickelter Fragebogen für ihre Altersgruppen, drehbare Bögen in Englisch, Türkisch, Russisch, Spanisch, Französisch (die deutsche Fassung ging an alle Haushalte St. Paulis), das Knetmodell im Maßstab 1:500 (1,3 KG = ca 24.000 qm Bruttogeschossfläche oberirdisch), ein kommentierbares, 6 Meter langes Reeperbahnpanorama als Analysetool. Taktische Möbel verwandelten die Straße zeitweilig in ein öffentliches Planungsbüro.

AnlageB4_43Workshops fanden grundsätzlich in Kneipen, Kaschemmen, Clubs oder Seniorentreffs statt, an Orten, an denen der Fachjargon nicht dominieren kann. Veranstaltungen mit Titeln wie „Knack den St. Pauli Code“, „Sex! Musik! Vergnügen!“ oder „Mehr haben durch Teilen“ verbanden das lokale Wissen mit Erfahrungen internationaler Projekte. Eine Tour im Huckepack des buy buy St. Pauli Films über die Esso-Häuser war zu Gast im Silbersack, in der Kogge, im Herzblut St. Pauli, im Tippel II, im Molotow und in der Holsten-Schwemme. Rund 800 Türschwellengespräche wurden in den direkt angrenzenden Häuserblöcken geführt, der direkte Umkreis fast wöchentlich mit Informationen und Einladungen versorgt.

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Über 2300 Beiträge sind in der PlanBude eingegangen. Die PlanBude hat alle Ideen, Zeichnungen und Modelle Wunscharchiv gesammelt, ausgewertet, interpretiert, übersetzt und zugespitzt: In funktionale, soziale und bauliche Ansprüche an den Neubau. Diese präzise übersetzten Ergebnisse wurden in zwei Stadtteilkonferenzen vorgestellt, diskutiert und überarbeitet. Sie sind die Basis der weiteren Planung.

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Ergebnisse

Auf dieser Basis wurde zwischen PlanBude, Bezirk und Eigentümer Bayerische Hausbau ein Eckpunkte-Papier verhandelt und der gemeinsame Auslobungstext für den Neubau formuliert. Damit sind die Ergebnisse des PlanBude-Prozesses die Grundlage für den hochbaulichen und den folgenden Architekten-Wettbewerb.

Die Ergebnisse:

  • Keine Eigentumswohnungen,
  • rund 40% Mietwohnungen frei finanziert,
  • rund 60% staatlich gefördert, davon ein guter Teil als Wohnprojekt für eine Baugruppe,
  • 2.500 qm „Subkultur und Innovationscluster“ für Molotow, Kogge, FabLab, Stadtteilkantine u.v.m.,
  • interessante Dachnutzungen, teils für die Öffentlichkeit (Stadtbalkon zur Reeperbahn, Basketball oder street-Fussball, Skateboardbahn, Kletterwand auf dem Dach, Spielplatz und Erholungsflächen für Mieter*innen auf dem Dach).
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Anlage B4 – die Wunschproduktion zusammengefasst und geclustert auf 330 Seiten – Grundlage für Architekturbüros und Planungsverfahren.

Aus der Essenz aller Beiträge ist der St. Pauli Code entstanden. Sieben Punkte, die die Qualitäten und das Lebensgefühl rund um die Reeperbahn beschreiben und auch der zukünftigen Stadtentwicklung die Richtung weisen sollen. Das lokale Wissen hat damit das Fundament gelegt, auf dem ein neues Stück St. Pauli wachsen kann.

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Der Städtebau-Gewinner-Entwurf von NL (Amsterdam) und BeL (Köln), 2015.

Der städtebauliche Wettbewerb wurde im September 2015 von den Architektenbüros NL (Amsterdam) und BeL (Köln) gewonnen – dem von der PlanBude favorisierten Entwurf, der die Wünsche und Ideen des Stadtteils in einen konzeptuell geschliffenen Entwurf umgesetzt hat. Den folgenden Architekturwettbewerb gewannen NL Architects (Amsterdam), BeL (Köln), IFAU/Jesko Fezer (Berlin), Lacaton & Vassal (Paris) und feld72 (Wien).

Die ungewöhnlichen Herangehensweisen der PlanBude entwickeln neue Rollenmodelle für Kunst, Architektur und Planung, die sich in enger Zusammenarbeit inhaltlich, nachbarschaftlich und politisch positionieren und so die Grundlage und Methodik entwickeln, damit das Wissen der Vielen die Stadt gestalten kann.

Planbude erklärt in 20 Minuten: auf dem bauhaus forum im Berliner Haus der Kulturen der Welt: Kann Gestaltung die Welt verändern? Hier geht es zum Video.

Adresse: Spielbudenplatz / Ecke Taubenstrasse, 20359 Hamburg-St. Pauli

Mail: office@planbude.de

Post: Planbude c/o Czenki, Bernhard-Nocht-Str. 51, 20359 Hamburg

Introduction in English