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Presseinfo November 2018

Neue Esso-Häuser am Spielbudenplatz

Scheitert der modellhafte Planungsprozess auf der Zielgeraden?


Sehr geehrte Damen und Herren!Der PlanBude-Prozess ist ein Modell für glaubwürdige Beteiligung. Die Planungen für die Neuen Esso-Häuser an der Reeperbahn zeigen, wie eine demokratische Planung mit intensiver Beteiligung die aufregenderen Städte schafft. In dem einzigartigen Prozess wurde bislang im Ringen miteinander von Eigentümerin (Bayerische Hausbau), dem Bezirk Hamburg-Mitte, der Politik und der PlanBude viel erreicht. 

Doch der Erfolg hängt von einem wichtigen Baustein ab – und dieser hängt am seidenen Faden. Im städtebaulichen Entwurf, der eine ungewöhnliche Nutzungsmischung nebeneinander erlaubt, sind die Wünsche nach Orten-zum-Selber-Machen, die sich an den gesamten Stadtteil wenden, auf ein Baufeld konzentriert – auf ein Grundstück an der Quartiersgasse, das an die Kastanienallee und an das Operettenhaus grenzt. Auf diesem Baufeld liegt das Nachbarschaftscluster, die sogenannten Nord-Süd-Passage und die förderfähige, genossenschaftliche Baugemeinschaft. Hier entsteht das Herz des neuen Karrées – mit Stadtteilkantine, Fablab St. Pauli, Musikcluster und kiezspezifischer Sozialversorgung, wie das beiliegende Konzept the future of nachbarschaft zeigt.

Doch unter den bestehenden Bedingungen ist weder das Cluster noch die Baugemeinschaft zu realisieren. „Mit diesem Baustein steht und fällt die Glaubwürdigkeit des Projekts“ sagt Lisa Marie Zander (PlanBude). „Wir suchen einen mission investor. Jemanden, der sein Geld sinnvoll anlegt – direkt in einem innovativen, kulturellen und sozialen Projekt.“

Die Hamburger Agentur für Baugemeinschaften hat gerade die Baugemeinschaft ausgeschrieben. Für das genannte Baufeld mit bis zu 30 Wohnungen, kann man sich noch bis zum 4.2.2019 bewerben. Doch bei den derzeitigen Baupreisen und den aktuellen Förderkonditionen ist auch dieser Bau nicht zu finanzieren.

Obwohl sich die Bayerische Hausbau nach über einem Jahr Verhandlung darauf eingelassen hat, einen kleinen Teil des Grundstücks zu einem in Hamburg „förderfähigen“ Preis von 800 EUR/qm Wohnfläche zu verkaufen, lässt sich die dort vorgesehene genossenschaftliche Baugruppe derzeit kaum umsetzen.“ sagt  Margit Czenki (PlanBude).

Schuld daran seien vor allem die gestiegenen Baupreise. „Die Baukosten steigen seit Jahren – und die staatlichen Fördermethoden sind nicht an die veränderten Realitäten angepasst worden.“ ergänzt Renée Tribble (PlanBude).

Gesucht wird deshalb eine Stiftung, eine Genossenschaft oder Personen, die bereit sind, Geld in dieser gemeinnützigen Aufgabe anzulegen. Konkret geht es bei diesem „mission investment“ darum,

– die Bodenanteile für das Cluster oder/und für die Baugruppe zu erwerben

diese langfristig in Erbbaurecht an die zukünftigen Nutzer*innen weiter zu verpachten

– das Projekt durch eine langfristige Finanzierung des Baus des Clusters zu ermöglichen.

Wir brauchen Zustiftungen, Privatkredite und kreative Fördermöglichkeiten,“ erläutert Christoph Schäfer (PlanBude). „Nur der Verkauf und die dauerhafte Sicherung des Bodens garantiert die Unabhängigkeit von der derzeitigen Eigentümerin – und damit die Unterschiedlichkeit, die so viele der Teilnehmer*innen wichtig finden für das St. Pauli der Zukunft.“